„Wer richtig sichert, schläft ruhiger – auch in stürmischen Zeiten“

Michael Wecker über die Notwendigkeit einer professionellen Sturmsicherung am Dach

Um den Verarbeitern und Hausbesitzern die Kosten von Sturmschäden am Dach zu ersparen, hat der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks bereits 2011 die Fachregeln verschärft. Die für alle Dachdecker und Zimmerer verbindliche Regel schreibt bei neuen Dacheindeckungen den Einsatz von geprüften Sturmklammern vor. Obwohl die Gesetzeslage Hausbesitzer, Planer und Verarbeiter in die Pflicht nimmt, Dachpfannen gegen Sturm zu sichern, wird die Notwendigkeit immer noch in Frage gestellt. Zu diesem Thema ein Interview mit Michael Wecker, Vertriebsleiter von Friedrich Ossenberg-Schule (FOS), dem Hersteller von Sturmklammern aus Hemer.

Frage: Müssen sich Hausbesitzer, Planer, Dachdecker und Zimmerer in einer Gegend, in der noch nie ein Sturm aufgekommen ist, um das Thema Sturmsicherung kümmern?

MW: Wir alle erleben hautnah, dass sich das Klima im Wandel befindet. Eine Folge sind Stürme in Gegenden, die früher nicht betroffen gewesen sind. Aus diesem Grund müssen laut der deutschen Fachregel und dem europäischen Eurocode in allen Windzonen Teilflächen von Steildächern mit Sturmklammern gesichert werden. Diese mind. korrosionsgeschützten Metall-Klammern fixieren die Dachpfannen auf der Traglattung, um somit das Abheben der Pfannen bei starkem Windsog sicher zu stellen. Daher stammt der Begriff „professionelle Windsogsicherung“, bei Hausbesitzern ist aber vermutlich „Sturmsicherung“ bekannter.

Frage: Wie sieht es mit den gesetzlichen Vorschriften bei Dachhandwerkern aus, die eine schriftliche Bestätigung vom Bauherrn haben, dass dieser keine Sturmsicherung anbringen lassen will. Sind diese aus dem Schneider?

MW: Die strafrechtliche Verantwortung bleibt weiterhin als persönliches Risiko beim Handwerker, wir verweisen auf den § 319 des Strafgesetzbuches zum Thema Baugefährdung und fahrlässige Körperverletzung oder Tötung. Der Handwerker kann sich durch eine Vereinbarung mit dem Bauherrn nicht „freizeichnen“, er kann einen solchen Auftrag in seinem eigenen Interesse nur ablehnen.

Frage: Befinden sich Verarbeiter, die eine professionelle Windsogsicherung in ihr Angebot integrieren, nicht im Nachteil gegenüber Wettbewerbern, die dies nicht machen und deswegen günstiger anbieten können?

MW: Diesen angeblichen Nachteil kann der Handwerker zu seinem Vorteil machen, indem er die Sturmsicherung als zusätzliche Position anbietet. Zusammen mit einem Hinweis auf die Gesetzeslage und einem beigefügten Ergebnisblatt der Windsogberechnung für das Objekt unterstreicht er seine Kompetenz als Fachmann. Das Ergebnis der Windsogberechnung beinhaltet den benötigten Klammertyp, sowie Stückzahl und Verlegeschema der Klammern. Eine bemaßte Skizze verdeutlicht, ob und welche Bereiche des Daches wie stark gesichert werden müssen. Das Argument, dass die Mehrkosten einer fachgerechten Befestigung erheblich geringer sind als die Kosten eines Sturmschadens, überzeugt jeden Bauherrn. Und: Wer richtig sichert, schläft ruhiger – auch in stürmischen Zeiten!

Frage: Ist wirklich für jedes Haus eine eigene Windsogberechnung notwendig? Das ist doch ziemlich zeitaufwändig und umständlich für die Verarbeiter. Wie sieht es mit Vereinfachungen aus, kann nicht einfach das ganze Dach nach einem Verlegeschema geklammert werden?

MW: Die Vorteile einer individuellen Berechnung liegen auf der Hand: Eine dreiminütige Berechnung kann drei Stunden auf dem Dach ersparen. Auf unserer Internetseite bieten wir allen Gewerken, die sich zum Thema Windsogsicherung informieren möchten, unterschiedliche Online-Tools an. Die kostenlose professionelle Windsogberechnung liefert in wenigen Minuten alle benötigten Ergebnisse zur Umsetzung am Dach. Durch eine objektbezogen individuelle und detaillierte Berechnung der benötigten Verlegeschemata und Klammern reduziert sich häufig deren Anzahl. Dadurch spart der Verarbeiter Zeit und Geld.

Frage: Europaweit werden die unterschiedlichsten Dachziegel und –steine verlegt. Aufgrund des Variationsreichtums an Formen der Dachpfannen wird eine unendlich große Anzahl verschiedener Klammerformen angeboten – wie soll sich der Dachhandwerker da auskennen? Kann er sich an dieser Stelle das Leben vereinfachen und immer die gleiche Sturmklammer verwenden?

MW: Um sicherzustellen, dass die Sturmsicherung die Anforderungen der Fachregel und des Eurocodes erfüllt, ist es zwingend erforderlich, dass die Klammer optimal an der Pfanne sitzt und diese sichert. Auch hierbei hilft die Windsogberechnung auf unserer Internetseite, damit kann die Produktbestimmung schnell und einfach durchgeführt werden. Der Benutzer erhält durch Eingabe der Dachpfannen- und Gebäudespezifikationen nach wenigen Klicks eine Auswertung, welche Klammern für sein Objekt optimal abgestimmt sind.

Herr Wecker, vielen Dank für das Gespräch!